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Gesellschaft, Eltern, Schule …

… oder eigentlich — Das Leben unserer Kinder

In dieser Zeit bekommen viele Menschen in unserer Gesellschaft sehr bewusst und tendenziell spä­ter ihren erwünschten Nach­wuchs, manche Geburten termi­nieren sie so, dass der Geburtstag in einen sonnigen Monat fällt, um dann bei möglichst schönem Wet­ter feiern zu können. Anhand des chinesischen Geburtskalenders wird teils versucht, das Ge­schlecht des Babys vorab zu be­stimmen. Wobei es heutzutage ja durch den Fortschritt der Medizin Möglichkeiten gibt, vorhandene Eierstöcke und Samenleiter auch später noch einmal zu überden­ken.

Was ist das für eine Zeit, in der wir Menschen die Fortpflanzung oder das natürliche Geschlecht von au­ßen beeinflussen können?

Wie konnte es so weit kommen, dass es scheinbar im Sinne der Allgemeinheit ist, den Menschen so massiv in die Natur eingreifen zu lassen, dass unser Erbgut kon­trolliert werden kann, um best­möglichen Nachwuchs zu erhal­ten?

Inwieweit lässt sich eigentlich der Bildungsweg unseres Kindes be­einflussen oder sogar vorherbe­stimmen und planen?

Je nach eigenen psychologisch-soziologischen Voraussetzungen haben wir als Eltern die Möglich­keit, unseren Kindern gute Grund­lagen mitzugeben. Nur, welche sind diese Grundlagen?

Soziale Werte, Gesellschaftsfähig­keit oder auch die Förderung von Neugier, allgemeinem Interesse, Konzentration und Durchhalte­vermögen?

In unserer stark leistungsorien­tierten, materialistischen Gesell­schaft scheint es sehr erstrebens­wert zu sein, dass der Nachwuchs Bildung auf möglichst hohem Ni­veau erlangt und einen gewissen Lebensstandard erreicht. Heute zieht sich dieser Anspruch bis quer durch die mittlere Bildungs­schicht.

Viele Eltern verfügen über eine konkrete Vorstellung davon, wie die gesunden Kinder Luis und Mia aufwachsen sollen: sicher behütet und gefördert von Anfang an, in einem großen Haus mit Garten, in der Umgebung sozial integriert.

So werden grundlegende Voraus­setzungen für gute schulische Leistungen geschaffen.

Von der vollwertigen Nahrung bis hin zu schadstofffreier Kleidung und ökologischem Spielzeug, so natürlich wie möglich soll der Nachwuchs groß werden.

In den 90er-Jahren hießen jene Kinder eher Jakob und Freya und besuchten die freie Waldorf­schule. Naturnah und umweltbe­wusst wuchsen sie auf.

Wie frei waren Jakob und Freya wirklich? Sind sie später Arzt und Biologin geworden, weil ihre El­tern diesen Weg vorherbestimmt haben? Zumindest hatten beide die nötige Förderung und die fa­miliären Voraussetzungen, um eine höhere Bildung zu erlangen. Befestigte Wege bieten Halt und Sicherheit, geben Struktur und Ordnung. Wer einen festen Weg vor sich liegen hat, braucht im Vergleich seltener eine Kletteraus­rüstung, um weiter nach oben zu kommen.

Was macht das mit unseren Kin­dern, wenn wir einen Weg vorge­ben, gute Schulnoten verlangen und stetig Leistung erwarten?

Kann Jakob glücklich sein, wenn er den Traum seiner Eltern lebt? Jakob trägt zumindest eine ge­wisse Zufriedenheit in sich, denn er ist ohne Schwierigkeiten durch die Schule gekommen und braucht sich um seinen Lebensun­terhalt erstmal keine Gedanken zu machen. Er muss nicht überlegen, ob er die nächste Stromrechnung bezahlen kann.

Mehr Schüler besuchen heute das Gymnasium, nicht zuletzt ist dies auch der unverbindlichen Grund­schulempfehlung geschuldet. Im Schuljahr 2021/2022 haben sich 44,1 Prozent dazu entschieden, ein allgemeinbildendes Gymna­sium zu besuchen, 33,6 Prozent bevorzugten eine Realschule, die Haupt- und Werkrealschulen wa­ren das Ziel von 5,7 Prozent der Schüler. Die Quote der Übergänge auf die Gemeinschaftsschulen lag zu diesem Schuljahr bei 13,4 Pro­zent.

Starke Auszubildende dringend gesucht

Wesentlich mehr Schüler schlie­ßen heute die Schule mit dem Abi­tur ab und junge Männer mit der mittleren Reife streben inzwi­schen eher Berufe im Büro an, an­statt ein Handwerk zu erlernen, bei welchem oft bei Wind und Wetter körperlich gearbeitet wer­den muss. Somit klagen viele Handwerksmeister darüber, kaum mehr taugliche Auszubil­dende zu bekommen.

Woher kommt diese Entwick­lung, dass viele junge Leute keine Lust mehr haben, sich die Hände schmutzig zu machen und sich körperlich zu belasten?

Hängt dies vielleicht damit zu­sammen, dass die junge Genera­tion wesentlich bequemer aufge­wachsen ist, sowieso schon das stark medial beeinflusste Leben im warmen Haus über Jahre ihrer Jugend gewöhnt war?

Findet hier etwa eine Verweichli­chung insbesondere des männli­chen Nachwuchses in unserem Land statt?

Handelt es sich hierbei um die Zöglinge der Generation der „He­likopter-Eltern“, die versäumt ha­ben, ihren Kindern praktisches Handwerkszeug mitzugeben? Die ihren Töchtern und Söhnen jeden Wunsch von den Lippen ablasen, ihnen größtmögliches Mitspra­cherecht bei Kleinigkeiten über­trugen, aber sie nicht einmal einen Teller in die Küche tragen oder den Müllbeutel rausbringen lie­ßen, geschweige denn einen Nagel in die Wand schlagen?

Nicht vergessen dürfen wir die Kinder, die weder die Möglichkeit haben, das Abitur noch ein mittle­res Bildungsniveau zu erreichen. Kinder, die auf ihrem Weg in Sa­chen Bildung wenig Unterstüt­zung finden, die von Haus aus we­nig gefördert werden und bei wel­chen es nicht nur an handwerkli­chem Geschick, sondern an sozia­ler Integration und grundlegender Bildung, auch nach der Schule, nach dem Werkrealschulab­schluss, mangelt. Ist somit auch ihr Weg aufgrund von Chancenlo­sigkeit vorherbestimmt? Wer per­sönliche Ressourcen, Kraft und ei­genen Antrieb mit sich bringt, hat mehr Möglichkeiten, etwas beruf­lich zu erreichen.

Wir sind abhängig von unserem Elternhaus, stehen unter dem Einfluss unserer Herkunftsfami­lie. Dass in unserem (Schul-)Sys­tem keine Chancengleichheit be­steht, ist sicher.

Die große Frage nach der Ent­wicklung unserer Gesellschaft steht im Raum, bei Weitem nicht nur im Hinblick auf die jungen Menschen dieser Generation.


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