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Total neutral (Perspektivwechsel)

Hallo, ich bin die Klimaneutralität

Ich bin in den Augen einiger ein sehr wichtiger Be­griff. Da es Menschen gibt, die der Mei­nung sind, dass das Klima primär von den Aktivitäten der Menschen beeinflusst wird, brauchen sie etwas, um ihr Gewissen zu beruhigen.

Im Prinzip bin ich ein Be­griff, um Waren und Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Thema Klima­wandel besser verkaufen zu können. Und da komme ich ins Spiel. Unter dem Begriff Klimaneutralität kön­nen sich viele Menschen gar nichts Kon­kre­tes vorstellen und das ist auch gut so, denn wenn man die Maßnahmen zur Er­rei­chung einer Klimaneutralität auf den Prüf­stand stellen würde, dann könnte man den Eindruck bekommen, dass dabei viel Mar­keting und wenig Pragmatismus da­hinter­stecken.

Ein elementarer Bestand­teil von mir ist die sogenannte Dekar­bonisie­rung der Welt, also die Reduzie­rung des Ver­brauchs von kohlenstoffhalti­gen Brenn­stoffen für die Energiegewinnung und die Verarbeitung. Im Prinzip eine gute Idee. Wie jedoch das Thema umgesetzt wird, lässt mich vor Scham oftmals im Bo­den versinken. Vor allem die Deutschen versu­chen im Bereich Elektrizität den Schwer­punkt auf sogenannte saubere Energien wie Windenergie und Sonnen­energie zu setzen.

Was sie jedoch nicht be­denken, ist, dass mit diesen, lediglich spo­radisch zur Verfügung stehenden Ener­gien keine Grundlast bereitge­stellt werden kann. Das kann unter Um­ständen zu ei­nem Kollaps des Stromnetzes führen. Wei­tere Themen sind Elektroau­tos, die vom ökologischen Fußabdruck her meist deut­lich schlechter sind als Autos mit her­kömmlichen Verbrennermotoren.

Um den Menschen auch weiterhin das gute Gefühl zu geben, verantwortlich zu handeln, wird heutzutage alles Mögliche als klimaneutral verkauft. Davon sind manche Dinge, wie recyclebare Rohstoffe, sicher nützlich. Es gibt aber inzwischen auch Zahlungsdienst­leister wie die schwe­dische Klarna-Gruppe, die sowohl den CO2-Abdruck der Transak­tion als auch des gekauften Pro­duktes do­kumentiert.

Eine weitere Möglichkeit ist der Handel mit Klimazertifikaten. Einer der Erfinder der Klimazertifikate, der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore, ist damit Milliardär geworden. Man kann sich mit Klimazerti­fikaten im Großen Verschmutzungsrechte kaufen, im Kleinen kann man sein Gewis­sen beruhigen und z. B. Ausgleichszahlun­gen an Organisationen leisten, die damit das Klima schützen wollen, indem sie z. B. Bäume pflanzen oder einfach nur Land kaufen, um es vor der Abrodung zu schüt­zen. Das sind jedoch alles eher symbolische Hand­lun­gen ohne größeren Nutzen.

Solange es Menschen gibt, die die Hybris und den Größenwahn haben, mit solchen Aktionen die Welt zu retten, solange kann man mit mir lukrative Geschäfte machen. Wenn jemand jedoch einmal den Begriff Umweltschutz in den Mund nimmt, der sehr konkret und greifbar ist, dann schwei­gen die meisten, denn dann müsste man et­was Konkretes im Leben ändern und nicht nur Greenwashing betreiben. Im Prinzip bin ich überflüssig, das gesteht man mir aber nicht zu, weil ich zu gut dafür geeignet bin, den Menschen Angst zu machen und damit Geld zu verdienen.

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