top of page

Unipolar oder multipolar?

Aktualisiert: 23. Jan.

„Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt.“ (Erich Fred)

Vor ein paar Jahren bin ich über den Be­griff VUCA-Welt gestolpert und fand die Definition ziemlich passend für die aktu­elle Zeit. Inzwischen hat sich das Ganze nochmals deutlich beschleunigt. Was ist aber „VUCA“? „VUCA“ setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von „volatility“ („Vola­tilität“), „uncertainty“ („Unsicher­heit“), „complexity“ („Komplexität“) und „ambiguity“ („Mehrdeutigkeit“) zusam­men, was bedeutet, das sich unsere Welt immer mehr aufschwingt und in Bewe­gung kommt. Verbunden mit der immer größeren Komplexität und der Mehrdeu­tigkeit der Begriffe, entsteht immer mehr Unsicherheit und Volatilität.

Sowohl im Großen wie im Kleinen ändern sich die Dinge immer schneller und geben den Menschen immer weniger Zeit, die Si­tuation zu überblicken. Dieser Artikel soll zumindest Anhaltspunkte dafür geben, wohin die Reise gehen könnte.

Spätestens seit dem Zusammenbruch der alten Strukturen in Osteuropa und Asien gab es nur noch eine Weltmacht auf unse­rem Planeten – die USA. Sie gefiel sich in der Rolle des quasi Alleinherrschers dieses Planeten. Ihre Macht stützte sich auf ver­schiedene Säulen. Der Dollar als Weltleit­währung und somit auch Weltreservewäh­rung sicherte den Bestand des Dollars ab, da kein Staat es wagen konnte, den Dollar anzugreifen, ohne nicht selber einen be­trächtlichen Schaden davonzutragen. Durch den Petrodollar, der nach der Ab­schaffung des Goldstandards in den 1970er-Jahren die Macht festigen sollte, indem primär das Erdöl, aber auch die meisten Rohstoffe weltweit nur in Dollar gehandelt werden durften, wurde diese Unangreifbarkeit nochmals zusätzlich ge­stärkt.

Wer davon abweichen wollte, wie der Iran, der Irak oder Libyen, wurde in der Regel mit Krieg überzogen – natürlich aus anderen Gründen. Die wichtigste Säule des Machterhaltes sind jedoch das US-Militär und die von einem Abwehr­bündnis zu einem Angriffsbündnis mu­tierte NATO. So versuchte die USA in den letzten Jahr­zehnten weltweit die Spielre­geln nach ei­genen Interessen festzulegen. Der ehema­lige US-Sicher­heits­bera­ter Zbigniew Brze­zinski be­schrieb vor allem in seinem 2017 er­schienenen Buch „Die ein­zige Welt­macht, Amerikas Strategie der Vorherr­schaft“ den Weg, den die USA ge­hen sollte, um auch weiterhin die domi­nante Macht weltweit zu sein. Die Ge­schichte der nach­folgenden Jahre war wie eine Blaupause dieses Buches. Die Verein­nahmung vieler ehe­maliger „Warschauer Pakt“-Staaten in die NATO, an deren Ende auch die Verein­nahmung der Ukraine ste­hen soll.

Leider sehen immer mehr Länder, dass die „Schutzmacht“ USA primär sich selber schützt und dafür auch gerne Kriege anzet­telt, Regierungen wegputscht oder auch Stellvertreterkriege inszeniert – wie aktuell gerade in der Ukraine. Es geht um den un­bedingten Machterhalt auf dem Globus.

Die USA ist eine absolute Verfechterin ei­ner unipolaren Welt, in der letzten Endes nur eine Macht das Sagen hat.

Da unsere Erde aktuell jedoch nicht aus ei­nem, sondern aus 195 Staaten besteht, war abzusehen, das sich eine Gegenent­wick­lung bilden wird. Es gab vor allem von China aus verschiedene Initiativen. Die Shanghai Cooperation, die 2001 ge­grün­det wurde, verbindet eine wirtschaft­liche Zusammenarbeit von überwiegend asiati­schen Staaten, deren Staatsgebiete, wie bei Russland, jedoch auch bis nach Eu­ropa reichen. Im Jahr 2009 wurde ein noch in­teressanteres Bündnis gegründet – die BRICS-Staaten. Ein Bündnis zwischen Bra­silien, Russland, Indien, China und Südafrika. BRICS repräsentiert ca. 40 % der Weltbevölkerung und ca. 25 % des weltweiten BIP.

Die Zusammenarbeit der BRICS-Staaten funktioniert nicht durch eine Führungs­macht und deren Vasallen, wie bei den USA, sondern man versucht, auf Augen­höhe kooperativ zum Nutzen al­ler Betei­ligten zu agieren und eine Win-Win-Situation herzustellen.

Das Ziel des BRICS-Bündnis­ses, vor allem aber das von China und Russland, ist eine multipolare Welt, in der es keine Füh­rungsmacht wie die USA mehr gibt. Da BRICS offensichtlich ein Ge­genpol zu den sehr egoistisch und aggressiv agierenden USA darstellt, wird es für an­dere Länder immer attraktiver. Es wird eine Erweite­rung dieses Bündnisses ge­plant. Die BRICS-Staaten sollen um 16, andere Quel­len sprechen von bis zu 22, neue Mit­gliedsstaaten erweitert werden. Als Aspi­ranten gelten z. B. Mexico, Argen­tinien, Iran, Saudi-Arabien, Nigeria, Indo­nesien, Kasachstan und verschiedene wei­tere Staaten.

Eine weitere Entwicklung ist, dass die Macht des Petrodollars gebrochen wird. Immer mehr rohstoffreiche Staaten wie Iran oder auch Saudi-Arabien verkaufen ihr Öl und ihre Rohstoffe in unterschiedli­chen Währungen und verabschieden sich von dem Dollar-Monopol. Für die USA eine immer gefährlichere Situation. Es wird inzwischen auch offen darüber disku­tiert, den US-Dollar als Weltleitwährung abzulösen.

Immer mehr Staaten haben einfach keine Angst mehr vor den USA. Sie sehen, dass der Aufwand, den die USA betreiben muss, um ihre Macht zu erhalten, inzwi­schen so groß geworden ist, dass sie daran zu zerbre­chen droht. Ein guter Zeitpunkt, sich von dieser Herrschaft zu emanzipie­ren.

Die alten Machtstrukturen, die seit Ende des 2. Weltkrieges herrschten, sind dabei, sich aufzulösen. Zuerst kam der kommu­nistische Machtblock dran, nun wird es der westlich-kapitalistische und neokolonial agierende Machtblock sein, der in den nächsten Jahren ebenfalls in der Bedeutungslosig­keit verschwinden wird. Mit ihm werden wohl auch alle Staaten in der Bedeutungs­losigkeit verschwinden, die sich immer noch fest an die USA klammern und sich von ihnen abhängig machen. Deutschland gehört leider noch dazu.

Die größte Gefahr in dieser VUCA-Welt könnte jedoch ein Verzweiflungsakt der USA sein, die lieber alles um sich herum zerstört, als die lieb gewordene Macht auf­zugeben. Auch deshalb ist das Bekenntnis zum Frieden und einer kooperativen Zu­sammenarbeit heute wichtiger denn je.


Quellen

Comentarios


bottom of page