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„Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt.“ (Erich Fred)
Vor ein paar Jahren bin ich über den Begriff VUCA-Welt gestolpert und fand die Definition ziemlich passend für die aktuelle Zeit. Inzwischen hat sich das Ganze nochmals deutlich beschleunigt. Was ist aber „VUCA“? „VUCA“ setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von „volatility“ („Volatilität“), „uncertainty“ („Unsicherheit“), „complexity“ („Komplexität“) und „ambiguity“ („Mehrdeutigkeit“) zusammen, was bedeutet, das sich unsere Welt immer mehr aufschwingt und in Bewegung kommt. Verbunden mit der immer größeren Komplexität und der Mehrdeutigkeit der Begriffe, entsteht immer mehr Unsicherheit und Volatilität.
Sowohl im Großen wie im Kleinen ändern sich die Dinge immer schneller und geben den Menschen immer weniger Zeit, die Situation zu überblicken. Dieser Artikel soll zumindest Anhaltspunkte dafür geben, wohin die Reise gehen könnte.
Spätestens seit dem Zusammenbruch der alten Strukturen in Osteuropa und Asien gab es nur noch eine Weltmacht auf unserem Planeten – die USA. Sie gefiel sich in der Rolle des quasi Alleinherrschers dieses Planeten. Ihre Macht stützte sich auf verschiedene Säulen. Der Dollar als Weltleitwährung und somit auch Weltreservewährung sicherte den Bestand des Dollars ab, da kein Staat es wagen konnte, den Dollar anzugreifen, ohne nicht selber einen beträchtlichen Schaden davonzutragen. Durch den Petrodollar, der nach der Abschaffung des Goldstandards in den 1970er-Jahren die Macht festigen sollte, indem primär das Erdöl, aber auch die meisten Rohstoffe weltweit nur in Dollar gehandelt werden durften, wurde diese Unangreifbarkeit nochmals zusätzlich gestärkt.
Wer davon abweichen wollte, wie der Iran, der Irak oder Libyen, wurde in der Regel mit Krieg überzogen – natürlich aus anderen Gründen. Die wichtigste Säule des Machterhaltes sind jedoch das US-Militär und die von einem Abwehrbündnis zu einem Angriffsbündnis mutierte NATO. So versuchte die USA in den letzten Jahrzehnten weltweit die Spielregeln nach eigenen Interessen festzulegen. Der ehemalige US-Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski beschrieb vor allem in seinem 2017 erschienenen Buch „Die einzige Weltmacht, Amerikas Strategie der Vorherrschaft“ den Weg, den die USA gehen sollte, um auch weiterhin die dominante Macht weltweit zu sein. Die Geschichte der nachfolgenden Jahre war wie eine Blaupause dieses Buches. Die Vereinnahmung vieler ehemaliger „Warschauer Pakt“-Staaten in die NATO, an deren Ende auch die Vereinnahmung der Ukraine stehen soll.
Leider sehen immer mehr Länder, dass die „Schutzmacht“ USA primär sich selber schützt und dafür auch gerne Kriege anzettelt, Regierungen wegputscht oder auch Stellvertreterkriege inszeniert – wie aktuell gerade in der Ukraine. Es geht um den unbedingten Machterhalt auf dem Globus.
Die USA ist eine absolute Verfechterin einer unipolaren Welt, in der letzten Endes nur eine Macht das Sagen hat.
Da unsere Erde aktuell jedoch nicht aus einem, sondern aus 195 Staaten besteht, war abzusehen, das sich eine Gegenentwicklung bilden wird. Es gab vor allem von China aus verschiedene Initiativen. Die Shanghai Cooperation, die 2001 gegründet wurde, verbindet eine wirtschaftliche Zusammenarbeit von überwiegend asiatischen Staaten, deren Staatsgebiete, wie bei Russland, jedoch auch bis nach Europa reichen. Im Jahr 2009 wurde ein noch interessanteres Bündnis gegründet – die BRICS-Staaten. Ein Bündnis zwischen Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. BRICS repräsentiert ca. 40 % der Weltbevölkerung und ca. 25 % des weltweiten BIP.
Die Zusammenarbeit der BRICS-Staaten funktioniert nicht durch eine Führungsmacht und deren Vasallen, wie bei den USA, sondern man versucht, auf Augenhöhe kooperativ zum Nutzen aller Beteiligten zu agieren und eine Win-Win-Situation herzustellen.
Das Ziel des BRICS-Bündnisses, vor allem aber das von China und Russland, ist eine multipolare Welt, in der es keine Führungsmacht wie die USA mehr gibt. Da BRICS offensichtlich ein Gegenpol zu den sehr egoistisch und aggressiv agierenden USA darstellt, wird es für andere Länder immer attraktiver. Es wird eine Erweiterung dieses Bündnisses geplant. Die BRICS-Staaten sollen um 16, andere Quellen sprechen von bis zu 22, neue Mitgliedsstaaten erweitert werden. Als Aspiranten gelten z. B. Mexico, Argentinien, Iran, Saudi-Arabien, Nigeria, Indonesien, Kasachstan und verschiedene weitere Staaten.
Eine weitere Entwicklung ist, dass die Macht des Petrodollars gebrochen wird. Immer mehr rohstoffreiche Staaten wie Iran oder auch Saudi-Arabien verkaufen ihr Öl und ihre Rohstoffe in unterschiedlichen Währungen und verabschieden sich von dem Dollar-Monopol. Für die USA eine immer gefährlichere Situation. Es wird inzwischen auch offen darüber diskutiert, den US-Dollar als Weltleitwährung abzulösen.
Immer mehr Staaten haben einfach keine Angst mehr vor den USA. Sie sehen, dass der Aufwand, den die USA betreiben muss, um ihre Macht zu erhalten, inzwischen so groß geworden ist, dass sie daran zu zerbrechen droht. Ein guter Zeitpunkt, sich von dieser Herrschaft zu emanzipieren.
Die alten Machtstrukturen, die seit Ende des 2. Weltkrieges herrschten, sind dabei, sich aufzulösen. Zuerst kam der kommunistische Machtblock dran, nun wird es der westlich-kapitalistische und neokolonial agierende Machtblock sein, der in den nächsten Jahren ebenfalls in der Bedeutungslosigkeit verschwinden wird. Mit ihm werden wohl auch alle Staaten in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, die sich immer noch fest an die USA klammern und sich von ihnen abhängig machen. Deutschland gehört leider noch dazu.
Die größte Gefahr in dieser VUCA-Welt könnte jedoch ein Verzweiflungsakt der USA sein, die lieber alles um sich herum zerstört, als die lieb gewordene Macht aufzugeben. Auch deshalb ist das Bekenntnis zum Frieden und einer kooperativen Zusammenarbeit heute wichtiger denn je.
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